Ideenkarte zum Thema „Leerstände und Innenstadtgestaltung“

Ideenkarte
Von einer Meldorfer Bürgerin erreichte mich nachstehende Zuschrift:

Meldorf ist zwar ein sehr schöner Wohnort, denn wir haben Schulen, Kindergärten, Ärzte, Geschäfte für den Alltag, Kino, Schwimmbad und eine Bahnanbindung, aber im Vergleich zu meiner Kindheit hat einfach auch vieles nachgelassen.
Wenn ich an meine Kindheit denke, war die Innenstadt immer ein Anzugspunkt, wenn man etwas brauchte, man sich treffen wollte oder einfach mal raus wollte: ein Schaufensterbummel, eine Kugel Eis und vielleicht noch eine Zeitschrift kaufen. Mittlerweile haben wir aber so viele Leerstände in der Innenstadt, dass ein Bummel wirklich unattraktiv geworden ist. Wenn ich mal in der Meldorfer Innenstadt etwas einkaufe, handelt es sich meist um Bücher. Vielleicht geht es noch kurz mit einer Freundin in den Bioladen oder in den Teespeicher, weil man einen Tee verschenken möchte, aber das war es eigentlich schon.
Früher hatte Meldorf das kleine Kaufhaus. Bei Greve / Kaufring bekam man Schulsachen, Bekleidung, Geschirr, Schallplatte und Kassetten (später noch CDs), Zeitschriften, Süßkram, Spielwaren… eigentlich gefühlt alles. Wenn ich ein Geburtstagsgeschenk für meine Eltern oder meine Geschwister kaufen wollte, wusste ich: Da finde ich was. Dazu kamen die Bekleidungsgeschäfte von Kruse damals in der Süderstraße. Meine Mutter konnte uns Kinder da komplett einkleiden. Man hatte gar nicht den Drang oder Zwang, nach Heide oder gar Hamburg fahren zu müssen.
Wir hatten ein Brautgeschäft, ein Spielwarengeschäft, eine Drogerie (mit einer tollen Deko- / Geschirr-Ecke für Geschenke). Kloppenburg befand sich noch am Markt, und im Tabakladen erhielt man noch Zeitschriften, Touristenkrams, und für uns Kinder gab es Sticker für die Sammelalben dort zu kaufen.
Ich weiß, Leerstände gibt es überall. Ich habe gesehen, wie Husum mit der Zeit immer uninteressanter wurde. Weltbild hatte dort geschlossen, andere kleine Läden fielen weg, und gefühlt gehört jedes 2. Gebäude dort zu CJ Schmidt. Heide hat noch mehr Vielfalt, aber das so hochgelobte Einkaufscenter ist ein Witz.
Warum allerdings sich die Meldorfer Geschäftsleute gegen eine Ansiedlung eines Kaufhauses wie Stolz ausgesprochen haben, kann ich nicht verstehen. Denn damit hätte Meldorf noch einen Anziehungspunkt für Käufer dazu bekommen. Zum Bummeln fahren die meisten eher nach Heide, als in Meldorf ihre Besorgungen zu machen. Hier fehlt einfach die Vielfalt eines Kaufhauses und, seien wir mal ehrlich, Konkurrenz belebt auch den Markt.
Die neue Innenstadtgestaltung war ambitioniert, aber die Leerstände wären einfach wichtiger gewesen, um die Stadt attraktiver zu machen. Mir fehlt auch ehrlich gesagt, ein Ort zum Verweilen. Der Zingel, der Rathausplatz sind immer noch kahl. Gerade wenn ich an den Sommer 2018 denke, war die Innenstadt der letzte Ort, wo man sich bei den hohen Temperaturen hinbegeben wollte. Wo sind Sitzgelegenheiten mit Schatten und vielleicht etwas begrüntem Windschutz? Wo eine Ecke, wo junge Eltern ihre Kinder mal spielen lassen können, wenn der Weg durch die Innenstadt zu eintönig für sie wird? Hätte man nicht eine kleine Spielecke am Rathausplatz einplanen können? Mit etwas Rasen, ein paar Bäumen und kleinen Spielgeräten wäre eine tolle Oase für die zahlreichen Eltern in unserer Stadt entstanden. Familienfreundlich sieht einfach anders aus. Ganz zu schweigen, dass in Zeiten des Klimawandels jeder grüne Bereich wichtig für unsere Umwelt und Zukunft ist.

Meine Antwort:
Das Thema Innenstadtbelebung und Leerstandsmanagement ist ein ganz zentrales Thema, das in nächster Zukunft mit innovativen Ideen angegangen werden muss. Hierzu gibt es schon konkrete Ideen und Visionen, die ich hoffe, in den nächsten Jahren aktiv begleiten zu können.
Es gibt beispielsweise die Idee, viele kleine Unternehmer, wie Kunsthandwerker, Schneider, Schuster, Töpfer und Maler o.a., zusammen in einem Gebäude zu integrieren, die vorher zu Hause im stillen Kämmerlein tätig waren. Das kann nur, und das ist meine konkrete Meinung, unter einer gemeinsamen Klammer funktionieren, da Vermieter nicht mit vielen verschiedenen Mietern für ein einzelnes Objekt zu tun haben wollen. Hier gilt es jetzt, Ideen und Rechtsformen zu finden.
Zu diesem Zweck ist auch ein Leerstandsmanagement in der Entstehung. Ich werde mich um diese Thematik verstärkt kümmern, wenn ich Ihre Bürgermeisterin bin. Ich werde hier als verlässlicher Ansprechpartner und Vermittler zwischen den verschiedenen Akteuren dienen. Wenn jemand eine Idee hat, soll er mit dieser nicht allein bleiben und schon gar nicht leichtfertig abgewiesen werden. Gemeinsam kreative Lösungen zu finden, muss hier das Motto sein!
Sollten Sie vielleicht auch die eine oder andere Idee haben, teilen Sie sie mir gerne mit. Ich werde diese aufgreifen und, darauf können Sie sich verlassen, auch in der Stadtvertretung thematisieren.